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Ökosystemleistungen sind die Grundlage für ein gutes Leben im Alpenraum

PDF Version ansehen | Druckansicht | veröffentlicht von Autor: ifuplan
gelistet in: Gesellschaft und Politik
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Artikel am 10.Dec 2018 veröffentlicht

Was die Natur in den Alpen leistet

Ob es Bergwälder sind, die uns vor Lawinen schützen und unsere Luft reinigen oder Flüsse und Almweiden, die uns mit Trinkwasser, Energie oder Lebensmitteln versorgen: Ökosystemleistungen sind im Alpenraum überall aufzufinden – und tragen maßgeblich zur Lebensqualität der Bevölkerung bei.

Das von der EU geförderte Interreg-Projekt AlpES (Alpine Ecosystem Services – mapping, maintenance and management) zielt darauf ab, die Bedeutung und Wertschätzung von Leistungen der Natur („Ökosystemleistungen“) im Alpenraum zu stärken und langfristig in die regionale und transnationale Umweltpolitik zu implementieren. Partner aus Frankreich, Deutschland, Italien, Liechtenstein, Österreich und Slowenien beteiligten sich drei Jahre an dem Projekt, das im Dezember 2018 ausläuft. Zu ihnen zählen öffentliche Forschungseinrichtungen, Behörden sowie ein privates Planungs- und Beratungsunternehmen.


Ökosystemleistungen – Dialog zwischen Theorie und Praxis
Kerninhalte des AlpES-Projektes sind:
• ein allgemeines Konzept zum gemeinsamen Verständnis, Bedeutung, Nutzen und Schutzbedürfnis alpiner Ökosystemleistungen zu erarbeiten
• Bedürfnisse und Erwartungen von Interessensgruppen für die Umsetzung des Ökosystemleistungskonzepts in die Planung und Entscheidungsfindung zu identifizieren
• eine alpenweite Erfassung und Kartendarstellung von Ökosystemleistungen auf Gemeindeebene zu erstellen
• ein interaktives WebGIS (http://www.alpes-webgis.eu/) als zeitgemäße Informationsgrundlage über Zustand und Entwicklung von Ökosystemleistungen im Alpenraum zu entwickeln
• wichtige Informationen und Erklärungen in einem Wiki zu dokumentieren
• relevante Akteure bei dem Verständnis und der Anwendung des Ökosystemleistungsansatzes in ihren Arbeitsfeldern unterstützt


Am 09. November fand ein nationaler Trainingstag in München statt. Akteure aus den Landkreisen Bad-Tölz, Miesbach, Ostallgäu sowie des Bund Naturschutz, Vereins zum Schutz der Bergwelt, Naturparks Ammergauer Alpen und der Biosphärenregion Berchtesgadener Land kamen in der Seidlvilla zusammen, um sich über wichtige Projektergebnisse von AlpES, u.a. aus den verschiedenen Pilotregionen, sowie Chancen und Risiken zu informieren. In der von ifuplan (Institut für Umweltplanung und Raumentwicklung, München) organisierten Veranstaltung wurde über den gesellschaftlichen Mehrwert und die Vermittlung von Ökosystemleistungen diskutiert und die beispielhafte Anwendung des Ökosystemleistungs-Konzepts als Management -Strategie und konkret in einem Straßenbauvorhaben erprobt.

Am 16. November, wurde ein transnationaler Trainingstag zur Anwendung des Ökosystemleistungsansatzes in transnationalen Aufgabenstellungen in Mieders im Stubaital gemeinsam von der Universität Innsbruck, Institut für Ökologie und ifuplan veranstaltet. An der Veranstaltung nahmen Akteure verschiedener Institutionen aus dem deutschsprachigen Alpenraum, aus Deutschland, Österreich und Liechtenstein, teil. In einem Rollenspiel diskutierten und nutzten die Teilnehmenden den Ökosystemleistungsansatz als Entscheidungshilfe für den fiktiven Ausbau eines Skigebietes im Alpenraum. Es zeigte sich, dass die Visualisierung der Ökosystemleistungen mit Hilfe von Karten zusätzliche Informationen, Interessen und Synergien verschiedener Nutzergruppen wie Naturschützer, Freizeitnutzer, Waldbesitzer offenlegen kann.

In der darauffolgenden Woche fand die Abschlusskonferenz am 21. und 22. November im Haus der Begegnung in Innsbruck statt. Die Konferenz war eine gemeinsame Veranstaltung der Interreg-Projekten AlpES und SPARE. Beide Projekte werden vom Interreg Programm Alpine Space „Lebenswerter Alpenraum“ mitfinanziert und stehen vor denselben nationalen Herausforderungen wie z.B. die Kartierung und Kommunikation von Ökosystemleistungen, die über die Grenzen hinausgehen.
Die Veranstaltung wurde von den Ansprachen der Projektleiterinnen der beiden Projekte, Alice Labadini (EURAC, Bozen) und Kerstin Böck (BOKU, Wien), des zuständigen Betreuers des Alpenraumprogramms Primoz Skrt und des Generalsekretärs der Alpenkonvention Markus Reiterer eröffnet. Der Abend zeigte mit einem Marktplatz der 14 Testregionen beider Projekte die Vielfalt der alpinen Regionen und der Anwendungsmöglichkeiten des Ökosystemleistungskonzeptes. An den Marktständen wurden die regionalen Projektaktivitäten sowie Spezialitäten aus den Regionen vorgestellt.
Der übergreifende Rahmen des Ökosystemleistungskonzeptes wurde am zweiten Tag in Plenumsvorträgen vorgestellt, in verschiedenen Arbeitsgruppen diskutiert und die erzielten Projektergebnisse in knapp gefassten Statements der Projektpartner vorgestellt.
In seinem Plenumsvortrag formulierte Gianluca Cepollaro, Direktor der Schule für Raum- und Landschaftsordnung Step in Trento, drei gemeinsame Empfehlungen: Partizipation und Kommunikation des Ökosystemleistungsansatzes, Förderung des Ansatzes auf individueller Ebene und eine erzieherische Wende, durch die Gewohnheiten und Lebensstile neu gelernt, aber gleichzeitig auch „entlernt“ bzw. umgelernt werden müssen, um die Lebensqualität zu verbessern und zu sichern.
Im Anschluss daran fanden parallele Workshops zu unterschiedlichen Themen, wie Grüner Infrastruktur, Zielkonflikten von Ökosystemleistungen, zivilgesellschaftlicher Partizipation oder Integriertem Flussgebietsmanagement, statt.
Die Veranstaltung endete mit einer Podiumsdiskussion zwischen VertreterInnen aus Umweltverbänden, Alpenkonvention, Kommunen und Verwaltungen, die die Ergebnisse der Projekte und ihre Beiträge für die konkrete Anwendung diskutierten.


Über das Projekt AlpES: Alpine Ecosystem Services – mapping, maintenance and management
Der Alpenraum ist ein wichtiger Anbieter von Ökosystemleistungen. Sie sind eine der Hauptsäulen einer Grünen Wirtschaft in den Alpen und ein wichtiger Motor der alpinen Entwicklung. Die Bevölkerung und verschiedene Wirtschaftssektoren wie Tourismus, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Energie und Verkehr innerhalb und außerhalb des Alpenraums profitieren von Ökosystemleistungen.
AlpES bietet Test -und Umsetzungsmöglichkeiten für das Konzept der Ökosystemleistungen, das bereits auf EU-Ebene etabliert ist und bei der Lösung von Konflikten zwischen verschiedenen Interessen, insbesondere im transnationalen Kontext, helfen kann.
AlpES läuft von Dezember 2015 bis Dezember 2018 und wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung über das Interreg Programm Alpine Space sowie für den deutschen Teil vom deutschen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit finanziert.

Weitere Informationen unter: http://www.alpine-space.eu/projects/alpes/en/home


Tags: Interreg-Projekt AlpES, Ökosystemleistungen, Alpenraum

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Constanze Neumann, Günden Savasci ifuplan Institut für Umweltplanung und Raumentwicklung Amalienstraße 79 D-80799 München +49 89 3074975-0 mail@ifuplan.de